Sonntag, 10. November 2013

Warum Lautstärke nicht weh tun muss.


Jedes Mal wenn ich jemanden der nix mit diesem Hobby zu tun hat, etwas von meinem Wohnzimmerkino erzähle stoße ich auf die selben Vorurteile. Vor allem das Lautstärke immer mit Schmerzen verbunden sein muss. Das die Ohren irgendwann piepen und weh tun müssen. Und warum ist das so. Weil die meisten es nicht anders kennen.
100 dB sind nicht 100 dB. Wichtig ist wie sie zu Stande kommen. Eine Lautstärkemessung ist immer ein Mittelwert vieler Lautstärken über das gesamte Frequenzbild ( meist 20Hz bis 20kHz ).
Die zwei gelben Kurven zeigen es eigentlich sehr schön. Es handelt sich damit um Frequenzaufsummierungen einmal in meinem Raum und einmal in einer großen ( akustisch unoptimiert ) in der eine Disco statt fand. Richtiger wäre dies natürlich mit einem Vergleichsmessung mittels weißem Rauschen. das war aber nicht so einfach zu realisieren.
Was man sieht ist das beide sehr ähnliche Gesamtpegel haben, die Verläufe aber unterschiedlich. Während oben kein einziger Punkt über 90 dB ( 10dB unter Mittelwert ) ist dies unten nicht der Fall. Hier sind es bei 20-60 Hz ca. 30-40 dB mehr. Unter Berücksichtigung das es unten nicht genau 100 db sind, könnte es bei 20 bis 30 Hz sogar fast an die 100 dB kommen. Während im Hochton ab 2 kHz ca. 20-30 dB fehlen. Dieser Verlauf ist also sehr unausgeglichen und basslastig.Außerdem sollte folgendes bedacht werden. Die obere Messungen fand in einem 20 m2 Raum statt, die untere in einem Raum um die 200m2. Die Raumgröße spielt also überhaupt keine Rolle wie laut es sein darf, lediglich die Qualität entscheidet.

Auch wenn viele dies nicht wissen handeln wir alle trotzdem danach. Verabredet man sich mit Freunden und verhandelt über das Lokal in dem man sich treffen will, fallen oft Aussagen wie: " Treffen wir uns dort, da ist ist es gemütlicher." Damit ist meist weniger gemeint das dort super bequeme Sitzgelegenheiten sind. Nein meist verbindet man mit gemütlich unterbewusst andere Dinge. Ein Lokal mit großen schallenerden Räumen oder Nebenräumen aus denen man jedes Gespräch mithören kann, gehören hier nicht dazu. Diese bezeichnet man eher als ungemütlich und hektisch. Einen Umstand der in gehobenen Gastronomie ( siehe hier ) oft erkannt wird, aber bei kleineren eher Zufall ist. Auch in der Architektur stellt die Akustik eine bekannte Größe dar, die das Wohlbefinden steigert.( siehe hier ) Und dies ist nur ein Beispiel.
Die Krönung dessen ist eine Disco in Saarbrücken in die öfters ging. Viele meiner Bekannten bezeichnen sie als gemütlicher und nicht so laut wie die anderen. Tatsächlich ist es dort genau so laut wie in den anderen. Ich habe es verglichen. ;-) Die Lösung ist schlichtweg das das Gebäude ans sich rund ist. Hier entstehen kaum Raummoden. Hier dröhnt es nahezu gar nicht. Erst wenn man in den Nebendisco geht, die wieder rechteckig ist, ist das Dröhnen wieder da.

Das gleiche Prinzip findet man in öffentlichen Kino's. Diese sind meist mehr auf finanzielle Effizienz getrimmt. Je mehr Sitzplätze rein gehen desto besser. Die raumaukustische Gestaltung wird oft vernachlässigt. Die drückt sich dann auch in teilweise massiven Bassüberhöhungen aus. Oftmals grenzt es meiner Meinung an Körperverletzung die man dann auch noch bezahlen muss. Hier wird oft sehr viel Potential verschenkt und führt auch oft dazu das viele weniger oft ins Kino gehen. Mit der Begründung das Kino zu laut ist. Dabei ist es einfach nur schlecht. Eine richtige Planung des Raumes oder eine Anschaffung einer passend DSP würde hier Abhilfe schaffen, und Kino zu dem machen was es sein sollte.

Genuss.

Wieder mal ein kleines Video. Dieses Video habe ich vor ca zwei Monaten aufgenommen als meine Vermieter nicht da waren. Also in richtiger Kinolaustärke.Eine Szene aus Resident Evil 4 in einem Mittel von 100 dB. Auch wenn die Aufnahme mit Iphone nicht die Wirklichkeit transportieren hört man kleine Geräusche auch sehr plastisch.

Abschließend sollte gesagt sein. Bei entsprechender Aufstellung und raumakustischer Optimierung ist Heimkino mit landläufig überhöhten Pegeln möglich ohne das es unangenehm wird. Lediglich eine ermüden der Ohren tritt ein. Nicht die Gesamtlautstärke entscheidet sondern die Qualität des Signals und die maximalen Einzelpegel.
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Kommentare:

  1. Guter Beitrag. Für alle die noch auf der Suche nach einem passenden Beamer sind wird der Bericht: http://www.heimkinoraum.de/news/heimkino-beamer-in-hamburg-testen-602 sicherlich gefallen.

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  2. Dass in vielen Kinos die Soundqualität ein Witz ist (viel zu viel Bass!), da muss ich dir leider Recht geben. Aber das ist auch eine ganz coole Motivation für mich persönlich muss ich sagen, weil mir dadurch bewusst wird, dass ich es schaffen kann, mit meinem Heimkino-Sound das echte Kino zu schlagen :)

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  3. Danke endlich mal jemand der mir aus der Seele spricht, mein Mann ist so schlimm, der muss immer volle lotte aufdrehen und ich bekomme einen halben Ohrenschaden ...

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